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Impulse aus der Praxis

Wie viel Potential haben Obligationen im nächsten Aktienmarktcrash?

Auf den Diversifikationseffekt zwischen Aktien und Staatsanleihen konnte man sich in Krisenzeiten verlassen. Das „Flight to Quality“-Phänomen liess die Preise von sicheren Staatsanleihen im Falle eines Aktienmarktcrashs kräftig in die Höhe schnellen. Wird dies auch der Fall sein, wenn die Zinsen schon nahe bei Null liegen? Ein Blick auf Verhalten der Bond-Märkte in Japan im Jahre 2008 stimmt wenig zuversichtlich.

Das letzte Jahr war für viele Vorsorgekassen äusserst positiv verlaufen. So lag die durchschnittliche Performance einer Schweizer Pensionskasse im Jahre 2012 bei 7.2% (Swisscanto Studie „Schweizer Pensionskassen 2013“). Diese hervorragende Rendite wurde vor allem durch die starke Entwicklung der Aktienmärkte ermöglicht. Auch in Zukunft werden Pensionskassen auf Aktien als Hauptrenditetreiber setzen müssen, denn Obligationen werfen kaum mehr etwas ab. Doch was, wenn der nächste Crash kommt? Können wir noch immer erwarten, dass Verluste auf Aktien durch Gewinne auf festverzinslichen Anlagen abgefedert werden?

Um sich ein Bild über das Aufwärtspotential von Bonds in einem „Flight to Quality“-Szenario während einer Niedrigstzinsperiode zu machen, schauen wir nach Japan. Dort waren die Zinsen während der Finanzkrise 2008 auf ähnlich tiefem Niveau wie heute in der Schweiz (knapp über 1% auf 10-jährigen Staatsanleihen). Der Gewinnsprung der japanischen Bonds während der Krisenmonate war deutlich schwächer, da die Zinsen nach unten weniger Spielraum hatten. Entsprechend konnten die Aktienverluste kaum kompensiert werden (nur 1 Franken Gewinn auf langfristigen Staatsanleihen pro 4.10 Franken Verlust auf Aktien). Schweizer Investoren konnten diese Verluste im 2008 noch viel stärker durch Gewinne auf den Festverzinslichen kompensieren (1 Franken Gewinn auf langfristigen Eidgenossen pro 1.60 Franken Verlust auf Aktien).

Wir sind überzeugt, dass eine sinnvolle Investmentstrategie immer auf dem kontrollierten und bewussten Eingehen von Risiken basieren sollte. Im heutigen politischen und makroökonomischen Umfeld ist dies wahrer denn je. Gegeben die Schwierigkeit sich effektiv zu diversifizieren, betrachten institutionelle Investoren vermehrt den Einsatz von aktivem Risikomanagement zur Verhinderung von grossen Substanzverlusten. Möglichkeiten dazu bieten Tail Risk Management, Volatilitäts-kontrollierte Investments, Constant Proportion Portfolio Insurance (CPPI) oder optionsbasierte Ansätze.

Performance von Aktien und Staatsanleihen; Aktien Schweiz – SPI Total Return (TR), Obligationen Schweiz – SBI Government 10Y+ TR; Aktien Japan – TOPIX TR; Obligationen Japan – Citigroup WGBI Japan 10+Y TR; 2. Hälfte 2008
Performance von Aktien und Staatsanleihen; Aktien Schweiz – SPI Total Return (TR), Obligationen Schweiz – SBI Government 10Y+ TR; Aktien Japan – TOPIX TR; Obligationen Japan – Citigroup WGBI Japan 10+Y TR; 2. Hälfte 2008

Schlussfolgerungen

  • Auf dem heutigen Zinsniveau bieten Staatsanleihen ein stark vermindertes Potential zur Abfederung von Aktienverlusten in der nächsten Krise
  • Aktive Risikomanagement Strategien sind deshalb wichtiger denn je um grosse Substanzverluste zu vermeiden