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Impulse aus der Praxis

Von Risikoprämien auf Obligationen profitieren bei reduzierten Substanzverlusten

Die Sorge vor Marktwertverlusten auf weiterhin hohen Obligationenbeständen treibt viele institutionelle Investoren dazu, die Duration Ihrer Portfolios zu verkürzen. Dabei werden die Kosten einer Short Duration Positionierung gegenüber der Benchmark häufig unterschätzt. Grundsätzlich sollten Investoren auch im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld Zins- und Kreditrisiken bewusst eingehen, um von der langfristigen Risikoprämie bei Obligationen zu profitieren. Eine systematische Risikokontrolle auf Zins- und Kreditrisiken kann dabei helfen, Substanzverlusten vorzubeugen. 

Institutionelle Schweizer Anleger sind aufgrund ökonomischer sowie regulatorischer Rahmenbedingungen vielfach auf Obligationen als risikoarme Anlageklasse mit konstantem Cash Flow angewiesen. Das zurzeit historisch tiefe Zinsniveau macht es dabei jedoch fortlaufend schwieriger, die erwünschte Sollrendite zu erwirtschaften. Es herrscht ein eigentlicher Anlagenotstand.

Die Sorge vor Marktwertverlusten auf noch immer hohen Obligationenbeständen treibt viele institutionelle Investoren dazu, die Duration Ihres Portfolios zu verkürzen. Zwar kann so das Risiko von Verlusten als Folge eines Zinsanstiegs reduziert werden; gleichzeitig wird jedoch die ohnehin schon tiefe erwartete Rendite weiter geschmälert, kostet doch eine verkürzte Duration Investoren fortlaufend Rendite in Form entgangenem Carry- und Roll-Down Einkommens. Dies gilt sowohl in historischem als auch aktuellem Kontext. In den vergangenen vierzig Jahren hat eine Absicherung vor einem Anstieg des 5-jährigen US-Zinssatzes so durchschnittlich 1.65% p.a. (kumuliert 120%) gekostet. Auch im heutigen Niedrigzinsumfeld sind die Kosten einer solchen Absicherung enorm. So bedarf es aktuell eines Anstiegs des 5-jährigen US-Zinssatzes um ca. 2% über drei Jahre, um die Kosten für eine Absicherung zu neutralisieren. Damit sich eine Verkürzung der Duration positiv auf die Rendite auswirkt, müssten die Zinsen entsprechend noch stärker ansteigen.

Kumulierte Risikoprämie (Credit und Zinsen)
Kumulierte Risikoprämie (Credit und Zinsen)
Substanzverluste bei steigenden Zinsen und Credit Spreads
Substanzverluste bei steigenden Zinsen und Credit Spreads

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen in diesem Kontext, dass Zins- und Kreditrisiken langfristig durch eine systematische Risikoprämie entschädigt werden. Betrachtet man erneut die letzten dreissig Jahre im US Markt, so konnten Investoren mit einer Anlage in langlaufende Unternehmensanleihen eine um 4.28% p.a. (kumuliert 250%) höhere Rendite erzielen, als mit einer Anlage in kurzlaufende Staatsanleihen (siehe Abbildung 1, Tabelle 1). Historisch betrachtet waren ausgeprägte Zinsanstiege äusserst selten und führten in den letzten dreissig Jahren in nur drei Fällen zu negativen Jahresrenditen bei US Treasuries. Jedoch kann gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld eine starke Zunahme des Zinsniveaus zu Substanzverlusten führen (siehe Abbildung 2). Auch Substanzverluste aufgrund von Krisen an den Kreditmärkten haben an Bedeutung und Häufigkeit zugenommen. Besonders in Zeiten systemischer Krisen (Finanzkrise 2008, Europakrise 2011) weisen Unternehmensanleihen starke Abschläge auf. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Investoren auf die langfristigen Risikoprämien am Obligationenmarkt verzichten sollten. Speziell im aktuellen Anlagenotstand sollten systematische Renditequellen konsequent bewirtschaftet werden, um das Renditepotential voll auszuschöpfen.

 

Investoren, welche von den langfristigen Risikoprämien am Obligationenmarkt profitieren möchten, gleichzeitig jedoch nicht bereit sind potentiell höhere Substanzverluste auf Obligationen zu tragen, bietet sich ein dynamisches Risikomanagement an. Mit einer systematischen Risikokontrolle können Risikophasen am Zins- sowie Kreditmarkt erkannt und entsprechende Absicherungen und Positionierungen vorgenommen werden. Ein Obligationenportfolio kann so in normalen Marktphasen ein erhöhtes Zins- und Kredit-Exposure eingehen und die Risikoprämien abschöpfen. Gleichzeitig werden die Exposures in Risikophasen systematisch reduziert. Auf diese Weise kann das Rendite-/Risikoverhältnis von Obligationen optimiert und der Anlagenotstand entschärft werden.

Schlussfolgerungen

  • Die historischen und aktuellen Kosten für eine Short Duration Positionierung gegenüber einer Benchmark werden von Investoren häufig unterschätzt.
  • Investoren sollten Zins- und Kreditrisiken auch im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld bewusst eingehen, um von der langfristigen Risikoprämie auf Zins- und Kreditrisiken zu profitieren und den Anlagenotstand zu entschärfen.
  • Um Substanzverlusten vorzubeugen, kann eine systematische Risikokontrolle auf Zins- und Kreditrisiken angewendet werden, mit deren Hilfe eine Obligationenportfolio dynamisch in Risikophasen abgesichert und positioniert werden kann.
Wenn Sie mehr über Risikoprämien ohne Substanzverluste erfahren möchten, lesen Sie weiter unter Finreon Fixed Income Risk Control®
 
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