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Impulse aus der Praxis

Eine dreiteilige Perspektive auf die Aktienquote

Im Umfeld hoher Bewertungen und niedriger Zinsen sind Pensionskassen mit der Problematik der optimalen Ausnutzung des Risikobudgets konfrontiert, um eine angemessene Rendite bei vertretbarem Risiko zu erreichen. Vermehrt weichen Pensionskassen dabei von einer klassischen, rein statischen Aktienquote ab und ergänzen ihre Aktienquote mit defensiven und risikokontrollierten Aktien.
 
Die jüngsten Finanzmarktentwicklungen schaffen erste Ängste bezüglich eines baldigen Endes des Wirtschaftsbooms und der steigenden Aktienmärkte. Pensionskassen können aber aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds nicht auf Aktien verzichten, sondern müssen ihre Aktienquote oftmals erhöhen, um ihre Sollrendite zu erzielen. Dabei dominiert das Aktienrisiko das Gesamtrisiko des Portfolios. Die Struktur der Aktienquote ist dabei entscheidend. Eine Investition in rein statische Aktien (= Aktien, in die man permanent investiert ist) ist mit Risiken verbunden, da der Substanzverlust bei einem Aktienmarktcrash erheblich ist. Deshalb entscheiden sich Pensionskassen vermehrt für eine dreiteilige Aktienquote zur optimalen Ausnutzung des Risikobudgets:
 
Abbildung 1: Aufteilung der Aktienquote (Quelle: Finreon Research)
Abbildung 1: Aufteilung der Aktienquote (Quelle: Finreon Research)
 
Bei traditionellen Aktien handelt es sich um aktive oder passive (marktkapitalisierte) Anlagen mit einem Beta von ca. eins, die bei Pensionskassen in der statischen Aktienquote zu finden sind. Vermehrt wird durch Strategien zum Abschöpfen von systematischen Renditetreibern (wie Value, Size, Momentum) auch das Renditepotenzial optimiert. In Phasen von hohem Stress kann es bei traditionellen Aktien zur Überschreitung des Risikobudgets kommen. Deswegen ergänzen Pensionskassen ihre statische Aktienquote mit zwei weiteren Arten von Aktien (vgl. Abbildung 1):

  • Defensive Aktien, die ein Beta von < 1 aufweisen, dienen im gegenwärtigen Umfeld des wirtschaftlichen Booms und der hohen Unternehmensbewertungen als Puffer für eine mögliche Marktkorrektur. Des Weiteren stellen sie einen Obligationenersatz dar, d.h. defensive Aktienanlagen erlauben den meisten Pensionskassen ihre Aktienquote zu erhöhen und trotzdem innerhalb des Risikobudgets zu bleiben. Zahlreiche akademische Papers haben gezeigt, dass Titel mit geringen Risiken langfristig eine risikoadjustierte Outperformance erzielen, da sie durch ein überproportionales Rendite-Risiko-Verhältnis (höheres Sharpe Ratio) charakterisiert sind.

  • Risikokontrollierte Aktien dienen Pensionskassen zur systematischen Bandbreitenbewirtschaftung. In Tiefrisikophasen befindet sich das Aktienexposure am oberen Ende der Bandbreite, während die Aktienquote bei steigendem Marktrisiko reduziert wird. Durch diese risikokontrollierte Bandbreitenbewirtschaftung können Pensionskassen nicht nur ihren Aktienanteil erhöhen, sondern ihr Risikobudget über verschiedene Risikophasen konstant ausnutzen.
Eine Kombination dieser drei Aktientypen ergibt eine robuste Aktienquote. Durch die risikokontrollierten Aktien kann das Marktexposure dynamisch gesteuert und somit in Hochrisikophasen reduziert werden. Gleichzeitig ist die statische Aktienquote durch einen Anteil an defensiven Aktien Substanzverlusten weniger stark ausgesetzt. Eine solche dreiteilige Aktienquote bietet Pensionskassen also eine interessante Möglichkeit zur optimalen Ausnutzung des Risikobudgets.

Schlussfolgerungen

  • Im aktuellen Umfeld sind Pensionskassen zum Erzielen der Sollrendite stark von Aktien abhängig. Dadurch stellen Aktien das grösste Risiko des Portfolios dar.

  • Pensionskassen nutzen ihr Risikobudget vermehrt über zwei Methoden aus: Eine systematische Bandbreitenbewirtschaftung durch risikokontrollierte Aktien, sowie den Einsatz von defensiven Aktien in der statischen Aktienquote.

 

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