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Impulse aus der Praxis

Inflation is back – Was sagt die Phillips Kurve?

Seit Mitte 2016 sprechen Finanzmarktakteure von der Rückkehr der Inflation. Zinsen weltweit, welche stark von den Inflationserwartungen abhängen, sind seither gestiegen. Aber was genau treibt Inflation? Seit einigen Jahren steht der Zusammenhang der „Phillips Kurve“ wieder mehr im Vordergrund und hebt vor, wie wichtig Arbeitsmarktzahlen für Zinsmärkte sind.
 
Jüngste Zinsmarkt- und Inflationsentwicklungen Besonders seit der Wahl von US-Präsident Donald Trump, dominiert der Modebegriff des „Inflation-Trade“. In der Tat sind die Inflation und Inflationserwartungen im letzten Jahr stark angestiegen, was sich vor allem auf die Zinsmärkte ausgewirkt hat. Die Entwicklungen der Zinsen und die Inflationserwartungen sind stark positiv korreliert. Der Anstieg in den Inflationserwartungen seit Ende 2016 hat sich dementsprechendauf die langlaufenden Zinsen niedergeschlagen. Zuvor befanden sich die Zinsen seit der Finanzkrise auf historischen Tiefstständen: Grund dafür war vor allem die lockere Geldpolitik der Zentralbanken, aber auch der Rückgang der Inflationserwartungen ab 2011 und die schwachen Wirtschafts- und Wachstumsaussichten.
 
Treiber von Inflationsentwicklungen Die Nonfarm-Payrolls, welche die monatliche Anzahl neugeschaffener Arbeitsplätze in den USA ausserhalb der Landwirtschaft angeben, stellen eine der meistbeachteten Kennzahlen der Finanzmärkte dar. FED-Präsidentin Janet Yellen und weitere FED-Mitglieder kommentieren diese Arbeitsmarktentwicklungen bei jeder Sitzung und betrachten diese als entscheidend für ihre Inflations- und Zinsbeurteilung. Neben der Stärke des Arbeitsmarktes und der allgemeinen US-Wirtschaftsentwicklung steht diese Statistik auch aufgrund der Phillips-Kurve im Fokus. Laut der Phillips-Kurve besteht ein Zusammenhang zwischen Arbeitsmarkt und Inflation: Eine niedrige Arbeitslosenrate schlägt sich in höheren Löhnen nieder und treibt so die Inflation an (Push-Inflation, vgl. Abbildung 1). Dieser empirische Zusammenhang wurde von Alban W. Phillips (1958) entwickelt und wird in der akademischen Literatur sowohl gelobt als auch kritisiert. 
Milton Friedman (1968) und andere Ökonomen haben diese Theorie dafür kritisiert, dass sie ein rein empirisches Konzept ohne starke theoretische Grundlage sei und nur kurzfristig halte. Seither wurden einflussreiche Ökonomen für Ihre Beiträge zur Phillips-Kurve aber mit einem Nobelpreis (z.B. E. Phelps, 2006) ausgezeichnet. Sie gilt grundsätzlich als bestätigt, auch wenn es Perioden geben kann, in denen der Zusammenhang nicht hält. Abbildung 2 stellt beispielsweise die Arbeitslosenrate der Lohnentwicklung  (als Inflationsproxy) in den USA gegenüber. Wie zu erkennen ist, gab es Phasen in denen der Zusammenhang der Phillips-Kurve stark signifikant war (z.B. 1985-2008).
 
Abbildung 1: Darstellung der Phillips-Kurve
Abbildung 1: Darstellung der Phillips-Kurve
 
Während die Phillips-Kurve im Zeitraum nach der Finanzkrise (2009-2015) nicht den normalen Verlauf hatte, ist zu erkennen, dass der Zusammenhang zwischen tieferer Arbeitslosigkeit und höherem Lohnwachstum seit 2015 wieder hält. Seit den US-Wahlen und der Leitzinserhöhung im Dezember wird die Rückkehr der Inflation und der Begriff des „Inflation-Trade“ oft auch als „Trump-Trade“ bezeichnet, da die Finanzmärkte mit höheren Inflationserwartungen aufgrund von US-Präsident Trumps wirtschaftspolitischen Mass-nahmen rechnen. Allerdings hat US-Präsident Trump lediglich einen bestehenden Trend verstärkt:
 
Höhere Lohnabschlüsse wegen positiver Entwicklungen im Arbeitsmarkt sind schon seit zwei Jahren zu beobachten, auch wenn diese aufgrund der volatilen Rohstoffpreise in dieser Zeit nicht direkt in den Inflationszahlen ersichtlich waren. Neben den möglichen Szenarien rund um den neuen US-Präsidenten stehen also aufgrund des wiederbestehenden Zusammenhangs der Phillips-Kurve die Arbeitsmarktzahlen im Fokus der Finanzmärkte: Wegen der Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und Inflation sowie Inflation und Zinsen, muss für eine vertiefte Zinsbeurteilung den Lohn-abschlüssen wieder verstärkt Bedeutung beigemessen werden.
 
Abbildung 2: Lohnentwicklung  und Arbeitslosigkeit in den USA zwischen 1974 und 2016 (monatlich) Quelle: Federal Reserve Bank St. Louis, Finreon Research
Abbildung 2: Lohnentwicklung und Arbeitslosigkeit in den USA zwischen 1974 und 2016 (monatlich) Quelle: Federal Reserve Bank St. Louis, Finreon Research

Schlussfolgerungen

  • Seit Mitte 2016 erleben Finanzmärkte den „Inflation-Trade“: Inflationserwartungen sind gestiegen und Zinsrenditen sind gefolgt.

  • In der Akademie wird der Phillips-Kurve, also dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation, viel Aufmerksamkeit geschenkt.

  • Diese empirische Relation gilt in den USA seit zwei Jahren wieder und wurde durch die Wahl von US-Präsident Trump sowie die Leitzinserhöhung durch das FED verstärkt.

  • Arbeitsmarktzahlen sollten deswegen wieder verstärkt im Fokus jeder Zinsbeurteilung stehen.

 

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